Was ist ein Chiropraktiker und wann kann er helfen?

Was ist die Chiropraktik?

Der Begriff stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet „eine Tätigkeit mit der Hand“. Im Zentrum stehen hier Funktionsstörungen des Stütz- und Bewegungsapparates, die durch spezielle Handgriffe behandelt werden. Als manuelle Behandlungsmethode gehört der Chiropraktiker in den Bereich der alternativen Medizin und wird von der deutschen Ärztekammer anerkannt. Bei den Qualifikationen gibt es jedoch Unterschiede. In der Regel handelt es sich bei einem Chiropraktiker um einen Heilpraktiker oder Arzt mit entsprechender Zusatz- bzw. Fortbildung. Die Bezeichnung „Chirotherapeut“ kann nur ein Allgemeinmediziner oder Orthopäde mit einem deutlich höherem Umfang an Fortbildungsstunden erhalten. Ein Chiropraktor dagegen muss ein fünfjähriges Studium absolvieren, was derzeit in Deutschland nicht angeboten wird.

Abgrenzung zu ähnlichen manuellen Behandlungsverfahren:

Auch ein Physiotherapeut beschäftigt sich mit Funktionsstörungen des menschlichen Körpers. Hier steht im Gegensatz zur Chiropraktik eher die Bewegungstherapie und Krankengymnastik im Vordergrund und wird oft als Anschlusstherapie von Fachärzten verschrieben. In Form von Massagen, Kälte- und Wärmebehandlungen, Wassertherapie und mitunter Strombehandlungen soll die Funktion des Bewegungsapparates wiederhergestellt werden.

Am ehesten wird die Chiropraktik mit der Osteopathie (altgriechisch „Knochenleiden“) verwechselt.
Die Osteopathie bemüht sich, den Menschen ganzheitlich zu betrachten und die Ursachen körperlicher Beschwerden zu behandeln. Die Gemeinsamkeit dieser beiden Behandlungsmethoden besteht in der Gelenkregulierung. Eine effiziente Grifftechnik justiert blockierte Gelenke derart, dass eine ursprüngliche Beweglichkeit ermöglicht werden soll. Die Osteopathie behandelt neben dem Bewegungsapparat auch den Schädel, das zentrale Nervensystem, Gewebe und innere Organe.

Was behandelt ein Chiropraktiker?

Die Chiropraktik behandelt alle Symptome wie Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und sonstige Störungen, die vorrangig mit der Wirbelsäule und den Gelenken im Zusammenhang stehen. Die Wirbelsäule ist eine komplexe Konstruktion. Sie umschließt und schützt das zentrale Nervensystem, das alle Nervenreize des Körpers mit dem Gehirn verbindet und reziproke Reaktionen auslöst. Eine Vielzahl von Muskelgruppen vom Nacken bis zum Gesäß garantieren nicht nur die Beweglichkeit, sondern übernehmen auch eine Stützfunktion. Laut Dr. med. Jonas Putzhammer, einem Chiropraktiker in München, können sich Fehlstellungen der Wirbel oder der Gelenke durch verschiedene Beschwerden bemerkbar machen, die sich auch in Muskelschmerzen äußern können.

Sind Verschiebungen der Halswirbel der Fall, können wiederkehrende Symptome wie Kopf- und Nackenschmerzen, Schwindel oder Sehstörungen auftreten. Eine Fehlstellung der Brustwirbel verursacht oft Rückenschmerzen, Taubheitsgefühle oder ein Kribbeln in den Händen sowie Bluthochdruck. Schmerzen im Hüftbereich, Unterleib oder in den Beinen und Füßen können auf eine Dysfunktion im Lendenwirbelbereich hindeuten.

Wie behandelt ein Chiropraktiker?

Zunächst führt ein Chiropraktiker ein diagnostisches Gespräch mit dem Patienten. Hier werden Heftigkeit, Häufigkeit und Dauer partieller Beschwerden erfragt sowie Haltungs- und Bewegungsgewohnheiten (Anamnese). Wenn vorhanden, werden auch Untersuchungsergebnisse aus Röntgen, MRT und CT hinzu gezogen. Im Anschluss „ertastet“ der Chiropraktiker mögliche Subluxationen (Verschiebungen von Gelenken und Wirbelkörpern, die zwar noch miteinander verbunden sind, jedoch statische Auswirkungen aufeinander haben und Schmerzen hervorrufen).

Je nach Diagnose kann der Chiropraktiker auf verschiedene Weise verfahren:

Bei der Adjustierung wird auf das Gelenk oder den Wirbel mit einer raschen und gezielten Druck-Bewegung eingewirkt, sodass der Knochenteil durch den Impuls wieder in seine „Normalposition“ gelangt. Beeinträchtigte Nerven werden dadurch gelöst und dazu gehörende Muskelgruppen in einer Folgebehandlung angeglichen. Das sogenannte „Knacken“ oder „Krachen“ entsteht dabei, wie die Medizin vermutet, durch entweichende Lufteinschlüsse im Gewebe oder den Gelenkverbindungen.

Bei einer Traktion zieht der Chiropraktiker Gelenke oder Wirbel auseinander und sorgt so für eine Druckentlastung oder Befreiung eines muskulär eingeklemmten Nervs, was zu einer sofortigen Schmerzlinderung führen kann.

Zur Wiederherstellung der Mobilisation werden Gelenkteile gegeneinander bewegt und Weichteile (Muskulatur) mitbehandelt.

Jede Veränderung an Gelenken und Wirbeln zieht muskuläre Konsequenzen nach sich. Daher bedarf es nach jeder chiropraktischen Erstbehandlung einer Folgetherapie, die Muskelumstellungen und Bewegungsabläufe in den Fokus nimmt.

Wann ist eine chiropraktische Behandlung risikoreich?

Insbesondere ältere Menschen sollten vorab medizinisch abklären, ob eine chiropraktische Behandlung für sie nutzvoll ist. Im Falle von Arthritis oder Wirbelarthrose ist von einer solchen Behandlung abzuraten.

Ebenfalls bei Bandscheibenvorfällen sollte man sich einen umfangreichen ärztlichen Rat einholen. Wenn Knochen und Gelenke bereits brüchig sind, kann es bei einer chiropraktischen Behandlung zu vermehrten Komplikationen führen. Ebenfalls bei Verletzungen der Haut, Verletzungen durch Unfälle und Knochenfrakturen wird von einer Therapie dieser Art abgeraten.

Wer bezahlt für eine chiropraktische Behandlung?

In der Regel bezahlen gesetzliche Krankenkassen eine chiropraktische Behandlung nicht, da sie zu den alternativen Behandlungsmethoden gehört. Einige private Krankenversicherungen sowie staatliche Beihilfeleistungen bieten je nach Tarif eine Übernahme der Behandlungskosten an. Die Kosten sind im Regelfall privat zu tragen. Über die Höhe entscheidet die jeweilige Behandlungsdauer und ist bei dem betreffenden Chiropraktiker zu erfragen.

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